Impressum Disclaimer Über Litlog Links
Geschichte und Geschichten

Es war eine Premiere. Am 21./22. Oktober 2011 kam erstmalig die Golo Mann-Gesellschaft zusammen, um sich gemeinsam an Golo Mann zu erinnern. Die I. Tagung der Gesellschaft fand statt in der Frankfurter Nationalbibliothek, wo derzeit auch die Ausstellung »Golo Mann. Die Geschichte« zu sehen ist. Es sprachen: Manfred Flügge, Hans-Martin Gauger, Eberhard Jäckel, Tilmann Lahme, August Nitschke, Rudolf Probst, Ulrike Schermuly, Hans-Jochen Vogel und Uwe Walter. Den Abendvortrag hielt Inge Jens.

Von Ulrike Schermuly

Der 100. Geburtstag des Namensgebers (*27.03.1909) brachte alles ins Rollen.
Zur Feier dieses Ehrentags wurde eine Ausstellung im Buddenbrookhaus konzipiert, eben jene Ausstellung »Golo Mann. Die Geschichte«, die derzeit in Frankfurt zu sehen ist. Auch fand im selben Jahr ein Symposium zu Golo Mann in Lübeck statt, auf dem die Gründung einer Golo Mann-Gesellschaft erstmals diskutiert wurde, auf viele Befürworter stieß und Engagierte fand, die sich der Idee annahmen.

Vielleicht erinnert sich noch mancher Göttinger an den Vortrag von Tilmann Lahme, der auch die o.g. Ausstellung kuratierte und der den Göttinger Studierenden der dt. Philologie aufgrund seiner Gastprofessur für Literaturkritik bestens bekannt sein dürfte: »Zwischen Geistergeschichte und Gespensterglaube: Golo Mann und das Phantastische« war sein Thema am 04.09.2010 auf der Jahrestagung der deutschen Thomas Mann-Gesellschaft »Der Zauberer und die Phantastik. Thomas Mann und das phantastische Erzählen«. Hier, in Göttingen, wurde die Gründungsidee einer Golo Mann-Gesellschaft nun konkreter vorgestellt, denn die Vorbereitungen zur Realisierung liefen bereits.

Am 14. Juni 2011 war es dann soweit: Mit dem Eintrag ins Vereinsregister steht die Gesellschaft seitdem auf eigenen rechtlichen Füßen. Gründungsmitglieder sind: Dirk Heißerer, Klaus W. Jonas, Kerstin Klein, Tilmann Lahme, Holger Pils, Ulrike Schermuly, Roland Spahl, Holger und Maja Stunz. Dem Lebensstil Golo Manns entsprechend sollen die Tagungen an wechselnden Orten stattfinden. Sitz der Gesellschaft ist Wiesbaden, das Lübecker Buddenbrookhaus unterstützt mit seiner Infrastruktur durch das Einrichten einer Geschäftsstelle. Die Gesellschaft will das Verständnis für das Werk Golo Manns wecken und vertiefen und zur Erforschung seiner Werke, seines Lebens und seiner Zeit beitragen.

Die I. Tagung

Sie zeigt das Spektrum auf, welches die Beschäftigung mit Golo Mann heute bietet. Noch gibt es Weggefährten seines Lebens, die etwas über den Menschen Golo Mann erzählen können – nicht irgendwelche, sondern solche, die das Eigengewicht ihrer Persönlichkeit, ihrer Lebensleistung und ihres Namens mitbringen, die uns vieles zu sagen haben: August Nitschke, Inge Jens, Hans-Martin Gauger, Eberhard Jäckel oder Hans-Jochen Vogel.
Hier wurde persönliche Erinnerung und wissenschaftliche Perspektivierung untrennbar miteinander kombiniert – Golo Mann hätte Gefallen daran gefunden! Rudolf Probst erhellte den Blick auf die Quellenlage und Forschungsstelle des Schweizerischen Literaturarchivs, wo der Nachlass Golo Manns liegt, der bestens erschlossen ist und auf Erforschung wartet.

Wissenschaftler präsentierten ihre Ergebnisse: Manfred Flügge beleuchtete das Verhältnis von Golo Mann und Eva Herrmann; über die Beziehung zwischen Golo Mann und Joachim Fest durfte ich als Nachwuchswissenschaftlerin sprechen. Auf der Tagung wurden verschiedene wissenschaftliche Zugriffe vorgeführt: Tilmann Lahme als Biograph untersuchte die Verknüpfung von Leben und Literatur in der Familie Mann, Hans-Martin Gauger als Sprachwissenschaftler widmete sich dem historischen Erzählen Golo Manns und der Althistoriker Uwe Walter modellierte anhand der Tacitus- und der Antike-Rezeption das Konzept der Historiographie, wie sie uns bei Golo Mann begegnet.

Golo Mann war Historiker und Schriftsteller, politischer Beobachter und einflussreicher Publizist. Er war Sohn Thomas Manns und stand mit zahlreichen einflussreichen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Beziehung. Dass die Beschäftigung mit ihm vielseitig ist, dabei interessant und aufschlussreich in vielerlei Hinsicht und nicht zuletzt auch höchst unterhaltsam sein kann – das hat die I. Tagung gezeigt.

Ausblick

Die wissenschaftliche Erforschung Golo Manns hat gerade erst begonnen und bietet Wissenschaftlern auf ganz verschiedenen Gebieten reiches Material, neue Fragen und überraschende Antworten. Die I. Tagung der Golo Mann-Gesellschaft war für jeden, der dabei war, ein Erlebnis und eine Bereicherung – aufgrund der Menschen, die man in noch überschaubarem Kreis treffen und sprechen kann, aufgrund der aufgeschlossenen Gesprächsatmosphäre, der gemeinsamen Verbundenheit zu Golo Mann und den Zielen der Gesellschaft. Auch neue Mitglieder sind herzlich willkommen, die Mitgliedschaft für Studenten ist sogar kostenlos. (Wer mittun will, wendet sich am besten an die Geschäftsstelle der Gesellschaft im Buddenbrookhaus unter gmg@luebeck.de.)

Die nächste Tagung findet 2013 statt. Fest steht schon heute: Von dieser Gesellschaft wird man noch hören!



Metaebene
 Autor*in:
 Veröffentlicht am 7. November 2011
 Kategorie: Wissenschaft
 Golo Mann im Jahr 1978 via Wikimedia Commons.
 Teilen via Facebook und Twitter
 Artikel als druckbares PDF laden
 RSS oder Atom abonnieren
 Keine Kommentare
Ähnliche Artikel
Archiv
Keine Kommentare
Kommentar schreiben

Worum geht es?
Über Litlog
Mitmachen?