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»Just a Pinch of Cyanide«

British humour at its best! Arsenic and Old Lace, gespielt vom English Drama Workshop im ThOP, besticht durch Witz, giftige Engagements und dann und wann eine farbige Erweiterung der filmischen Vorlage von 1944. Magdalena Kersting – very amused – über einen gelungenen, schwarzhumorigen Premierenabend.

Von Magdalena Kersting

Von einem alten, vergilbten Plakat gucken sie leicht zerknittert und verblasst auf die Vorbeigehenden herab: Zwei ältere Damen sitzen im Vordergrund, hinter ihnen ihre drei Neffen aufgereiht, mit leicht skeptischen Gesichtern. Die feinen Damen und Herren laden zu einem Abend im ThOP ein – zu der Premiere von Arsenic and Old Lace, im Deutschen bekannt als Arsen und Spitzenhäubchen. Die Geschichte haben viele wohl noch aus der Film-Adaption mit Cary Grant schwarz-weiß in Erinnerung, Zeit diese mit neuer Farbe aufzufrischen!

Von Leichen und Irren und Engländerinnen

Im Zentrum der Handlung des von Joseph Kesselring 1941 uraufgeführten Stücks steht Mortimer Brewster, seinerseits gefürchteter Theaterkritiker, der seine beiden liebenswürdigen Tanten Martha und Abby im alten Brewster-Haus besucht.

Das Stück

von Kerstin Kratzsch
Weitere Termine
16., 19., 20., 21., 24., 25., 27., 28. April 2012, jeweils um 20:15 Uhr.

Theater im OP

Das Theater im OP (ThOP) ist das Universitätstheater der Georg-August-Universität Göttingen, gegründet 1984 von der dramaturgischen Abteilung des Seminars für Deutsche Philologie. Seine Aufgabe ist die Vermittlung theaterpraktischer Kompetenzen. Gespielt wird in einem ehemaligen Schauoperationssaal einer alten chirurgischen Klinik. Die Zuschauer sitzen zu drei Seiten auf Tribünen, das Schauspiel findet in der Saalmitte statt. Mehr? Hier: thop.uni-goettingen.de

Die beiden wohltätigen Frauen kümmern sich dort fürsorglich um Mortimers geistig gestörten Bruder Teddy, der sich selbst für Theodore Roosevelt hält. Von allen geliebt und geschätzt gerät die gutbürgerliche Fassade der beiden Brewster-Damen ins Wanken, als Mortimer zufällig im Fenstersitz des Wohnzimmers eine Leiche findet. Sein erster Verdacht fällt auf den harmlosen Bruder, doch wird er von Martha und Abby bald eines Besseren belehrt; aus einem Akt der Nächstenliebe heraus vergiften die betagten Schwestern ältere, alleinstehende Herren mit ihrem selbst gemachten Holunder-Wein und Teddy wird unwissentlich Komplize, indem er für die Leichen im Keller Gräber aushebt, im Glauben, den Panama-Kanal zu graben.

Mortimer: How did the poison get in the wine?
Martha: Well, we put it in wine, because it’s less noticeable. When it’s in tea, it has a distinct odor.

Der perplexe Mortimer versucht der Situation Herr zu werden, doch die Lage gerät außer Kontrolle, als sowohl seine Verlobte Elaine als auch sein lange verschollener Bruder Jonathan an diesem Abend auftauchen. Jonathan, mittlerweile ein gesuchter Krimineller, bringt den zwielichtigen Dr. Einstein mit – im Gepäck eine weitere Leiche. Und als wäre das für einen Abend und für einen Mann nicht genug, klingelt kurze Zeit später der erste von drei Polizei-Komissaren an der Tür…

Skurril, lebendig und »very british«

Aufgeführt wird das Stück von dem English Drama Workshop Göttingen, einer Amateurgruppe des Sprachlehrzentrums der Universität, die jedes Jahr ein englisches Theaterstück auf die Bühne des ThOP bringt. Dass dieses Mal die Wahl auf Arsenic and Old Lace fiel, ist für das Publikum ein Volltreffer. Aunt Martha und ganz besonders Aunt Abby sind so »very British« und so herrlich skurril, dass man sich an ihren tatterigen Bewegungen und ihren makaberen Diskussionen durch die einzelnen Szenen gar nicht satt sehen und hören kann. Zusammen mit der ausgezeichnet grotesken Darstellung des Teddy Roosevelt hauchen die drei der Bühne das nötige Leben ein, um den Zuschauer glauben zu lassen, mitten im Wohnzimmer eines alten englischen Herrenhauses zu sitzen. Dieses überzeugende sprachliche und schauspielerische Auftreten gelingt nicht allen, das Gesamtbild der Besetzung ist aber relativ rund.

Mortimer: You didn’t want the reverend to see the body?
Martha: Well, not at tea. That wouldn’t have been very nice.

Die Inszenierung selbst strotzt wie erwartet und so vom Publikum auch erhofft vor schwarzem Humor. Die morbide Welt von Abby und Martha Brewster steht in ihrer Selbstverständlichkeit im krassen Gegensatz zu der herkömmlichen und vertrauten Vorstellung des Lebens von Mortimer und nicht nur er muss sich im Laufe des Stücks die Frage stellen, wer hier eigentlich verrückt ist. Das Spiel mit Licht und Dunkel, abstruse Dialoge und Leichen, die in rasantem Tempo hin und her bugsiert werden, bieten reichlich komische Elemente. Sogar das Theater selbst wird als satirisches Element aufgegriffen und aufs Korn genommen. Eine würdige Neuauflage des alten Klassikers, die in der bekannten Story bunte Farbtupfer setzt!



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 Veröffentlicht am 16. April 2012
 Foto von Dirk Opitz, mit freundlicher Genehmigung des ThOP.
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