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Literaturimbiss Leipzig

Die Litlog-Redaktion begab sich in das Gewühl der Leipziger Buchmesse. Aber was hat man als Besucher eigentlich von dieser »Publikumsmesse«? Hier und da ein schnelles Häppchen Literatur und Autoren, die sich in der »Autorenarena« in einen Kampf um eine Publikumsbegegnung begeben.

Von Leonie Krutzinna und Gesa Husemann

Warum geht man als Besucher eigentlich zur Leipziger Buchmesse? Dem Veranstalter nach wohl vor allem, um auf Autoren zu treffen – denn als sogenannte »Publikumsmesse« stellt die Leipziger Buchmesse die Begegnung zwischen Autor und Besucher in den Vordergrund. Diese Begegnung kann es auch sicherlich geben, es kommt ganz darauf an, was man unter »Begegnung« versteht. Begegnet man einem Autor schon, indem man ihn in 20-50 Meter Entfernung auf der Bühne sieht und hört, dann ist die Messe tatsächlich eine wahre Begegnungsstätte. Eine Stätte, an der sich Autoren sogar in einen Kampf um jene Publikumsbegegnungen begeben – so lässt die »Autorenarena« vermuten, die Lesebühne der Leipziger Volkszeitung.

Nicht viel mehr als fünf Minuten hat der Autor, um sein Moderator-Gegenüber wie auch das Publikum von sich und seinem neuen Buch zu überzeugen. Das klingt irgendwie nach »Speeddating«– schnell und in kleinen Portionen, aber in zu hoher Frequenz wird man mit Informationen versorgt. Und wenn man genau hinguckt, hört ihm eigentlich auch keiner so richtig zu. Vielmehr scheinen die Besucher die Verschnaufpause auf der Ersatzbank zu brauchen, um dann in die nächste Halle weiterzusprinten. Noch ein Blick aufs blaue Sofa. Und wer hat jetzt eigentlich den Preis bekommen?

Was bleibt da am Ende? Nicht wirklich viel. Die Messe ist ein großer Literaturimbiss, von allen Seiten werden einem schnelle kleine Häppchen gereicht – und am Ende ist man irgendwie trotzdem nicht satt. Der Imbiss-Eindruck wird durch die aus den Zwischengängen gesendeten olfaktorischen Signale noch verstärkt. Es riecht überall unangenehm nach Würstchen, nach Buletten und Schnitzel. Und führt man sich die Besucherzahlen vor Augen – 163.000 Leute sollen in vier Tagen durch die Messe geschleust worden sein – dann sind unangenehme Analogiebildungen zu Massentierhaltung und Käfighühnern gar nicht so weit hergeholt.

In der Gastronomie hat das bereits Gegenbewegungen hervorgerufen: Bio-Restaurants und Slow Food setzen einen Kontrapunkt zu McDonald’s und Burger King. Und genau das wünscht man sich auch in Leipzig: Entschleunigung. Bewusstes Lesen, Genuss-Lesen, langsames Lesen.

Trotz alledem muss man Leipzig zugute halten, dass es immer noch die etwas sympathischere kleine Schwester von Frankfurt ist. Und wenn man es dann mit einem Bier bis zur Moritzbastei geschafft hat, wenn man bei der Langen Leipziger Lesenacht die ein oder andere Neuentdeckung machen konnte, dann kann es doch gelingen, in der Masse der Messe den eigenen Horizont neu zu bemessen.

Messestimmen:

Mit der Leipziger Buchmesse verbinde ich ein großes Stimmengewirr, dass man eigentlich niemandem wirklich zu hören kann, obwohl man gerne möchte und sich auch jedes Jahr wieder vornimmt, dass man konzentrierter ist, wenig Schlaf wegen früher Standschichten und langer Partynächte. Und hoffentlich kehrt man mit einer Tasche voller Beleg-/Rezensionsexemplare zurück und neuem Idealismus. (Clara Ehrenwerth)

Die Messe in Leipzig lohnt sich immer, vor allem wegen des Publikumskontakts, den hat man ja als Verlag sonst nicht so oft. Gerade in Leipzig ist ein super interessiertes Lesepublikum und es gibt viele Veranstaltungen – und das nutzen wir als Verlag natürlich auch: Leipzig liest, hier auf der Leseinsel der jungen Verlage, aber auch in der Stadt bei der Lesenacht in der Moritzbastei, der langen Lyriknacht oder der Lesung der unabhängigen Verlage. Ich mag die Messe in Leipzig wirklich ganz gerne, weil es entspannter ist als Frankfurt, man kann besser mit den Leuten plaudern, es ist nicht so businessmäßig, die Leute sind nicht so hochnäsig. (Daniela Seel)

Auf der Leipziger Buchmesse trifft man viele alte Bekannte und man kann auf sehr schöne Lesungen gehen – Die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei ist dabei auf jeden Fall eine feste Größe! (und Sprachgebunden tritt da auch manchmal auf…) (Jonas Reuber)

Clara Ehrenwerth ist Mitherausgeberin der BELLA triste. Zeitschrift für junge Literatur. In Hildesheim studiert sie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus.

Daniela Seel begegneten wir am Stand ihres Verlages kookbooks, den sie 2003 gründete. Sie ist nicht nur Verlegerin, sondern auch Lyrikerin. Gerade erschien ihr Debüt-Gedichtband ich kann diese stelle nicht wiederfinden.

Jonas Reuber gibt zusammen mit Jan Valk die Zeitschift Sprachgebunden. Zeitschrift für Text und Bild heraus und ist zudem als Redakteur beim Netzwerk der Autoren suite101 tätig.



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 Veröffentlicht am 21. März 2011
 Foto von Gesa Husemann.
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