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Was ist Kunst?
Kunst kommt von Können

Es geht weiter mit der Interviewreihe »Was ist eigentlich Kunst?« von Verena Zimmermann. Dieses Mal verrät Kunstgeschichte-Studentin Tanja Swaczina, 21 Jahre, ob man Kunst auch noch genießen kann, wenn man sie wissenschaftlich durchanalysiert, inwiefern sich ihr Blick für Kunst im Laufe ihres Studiums verändert hat und natürlich welche Tops und Flops die Uni Göttingen in Sachen Kunstgeschichte-Studium zu bieten hat.

Von Verena Zimmermann

Verena Zimmermann: Warum studierst du denn eigentlich Kunstgeschichte?

Tanja Swaczina: Kunst hat mir schon immer sehr gefallen und die Kombination mit Geschichte fand ich sehr interessant, weil das sehr viele Bereiche abdeckt, also Gesellschaft, Kunst, Geschichte, etc. Man reist sozusagen einmal durch die Zeit und kombiniert das Ganze dabei mit Kunst.

V.Z.: Was gefällt dir an deinem Studium besonders gut und was gefällt dir weniger?

T. S.: Mir gefällt vor allen Dingen, dass wir tatsächlich das machen, was ich mir auch von dem Studium erhofft hatte, also dass man neben Geschichte und Kunst eben auch noch etwas von anderen Geschehnissen der Zeit, wie z.B. von der Politik und der Gesellschaft mitbekommt. Andererseits gefällt mir nicht so sehr – und das hängt vor allen Dingen mit dem Standort Göttingen als Studienort zusammen – dass man hier Schwerpunkte setzt, auf die wir Studenten keinen Einfluss haben, wie z.B. aufs Mittelalter und stattdessen nicht so extrem auf moderne Kunst eingeht. Man hat zwar auch Vorlesungen, die mit der Moderne zu tun haben, aber eben nur sehr wenige. Da gibt es andere Standorte, wie z.B. Braunschweig, wo das sehr viel stärker berücksichtigt wird. Da mir die ›Alte Kunst‹ aber sehr gefällt, ist das jetzt nicht so schlimm für mich.

V.Z.: Was war denn bis jetzt dein bestes Seminar in deinem Studium?

T. S.: Oh, das ist schwierig … Ich habe momentan ein sehr gutes Seminar und zwar über Frank Lloyd Wright, einen amerikanischen Architekten, der durchaus zu der Moderne zu zählen ist. Dieses Seminar ist sehr gut, weil es einerseits die Person genauer beleuchtet und andererseits auch die Zeit. Auch ein anderes Seminar hat mir sehr gut gefallen, und zwar ›Kupferstiche‹. Das war sehr cool, weil wir da die Möglichkeit hatten, in Göttingen mit dem Kupferstichkabinett zu kooperieren. Da konnten wir dann u.a. an Originalen arbeiten und auch Referate über die Originale halten. Es war super, sich mit direktem Anschauungsmaterial zu beschäftigen und so auch gleich einen Einblick in die späteren möglichen Tätigkeiten von Kunstgeschichtlern zu bekommen. Ich hatte auch noch ein tolles Seminar, in dem es um Schatzkunst ging. Da waren wir dann im Museum in Kassel und konnten so noch einmal einen Einblick in die Museumslandschaft und die Arbeiten von Kunstgschichtlern im Museum bekommen.

V.Z.: Was war denn bisher ein ›Aha!‹- Erlebnis in deinem Studium für dich, bei dem du vielleicht etwas ganz Neues über Kunst gelernt hast – etwas, das dir die Augen geöffnet hat?

T. S.: Ich war schon immer sehr an Kunst interessiert und fand sie schon immer toll. Deswegen gab es diesen Augenöffner-Moment eigentlich gar nicht für mich. Ich würde sagen, ich hatte schon immer offene Augen! (lacht).

V.Z.: Du selbst studierst Kunstgeschichte im vierten Semester. Kann man so etwas wie Kunst denn überhaupt lernen?

T. S.: Ich denke, da muss man einen Unterschied machen zwischen ›bildender Kunst können‹ und ›Kunst studieren‹, so wie ich es mache. Bildende Kunst kann man sicherlich immer irgendwo lernen. Nur ob das dann wirklich Kunst ist, … bleibt fraglich.
Kunstgeschichte selbst kann man auf jeden Fall lernen. Das Studienfach vertritt den wissenschaftlichen Standpunkt, das heißt, wir gehen Kunst auch dementsprechend wissenschaftlich an – und das kann man natürlich lernen.

V.Z.: Und wenn man Kunst so wissenschaftlich durchanalysiert, kann man sie dann überhaupt noch genießen?

T. S.: Ich denke, man kann Kunst immer analysieren und wissenschaftlich betrachten, aber man sollte dabei natürlich nicht vergessen, dass das, was man da betrachtet, schön ist. Man sollte Kunst nicht zu sehr auseinandernehmen, sondern auch irgendwann wieder auf das Objekt selbst zurückkommen. Man sollte Kunst also immer mit eigenen Augen betrachten, auch wenn man die entsprechenden Hintergründe kennt.

V.Z.: Betrachtest du Kunst durch dein Studium denn jetzt mit anderen Augen?

{tab=Zum Projekt}

In der Interviewreihe »Was ist eigentlich Kunst?« fühlt Verena Zimmermann der Göttinger Kunstszene ein wenig auf den Zahn. Nächste Woche im Gespräch: Kunstgeschichte-Professor Dr. Carsten-Peter Warncke von der Universität Göttingen.

{/tabs}T. S.: Ja, auf jeden Fall, besonders mit dem Hintergrundwissen, das ich jetzt mittlerweile schon habe – nicht nur von der Geschichte und Kunst selbst, sondern auch von den Epochen, den Stilrichtungen, sowie den Techniken und Künstlern, und davon, in welchen Situationen die Kunstwerke entstanden sind. Im Vergleich zu früher würde ich deshalb schon sagen, dass ich Kunst jetzt durchaus anders betrachte als vor dem Studium. Ich habe da jetzt vielleicht auch ein geschärfteres Auge. Es mag jetzt noch nicht so scharf sein, aber schärfer als zuvor.

V.Z.: Und wer ist persönlich dein Lieblingskünstler?

T. S.: Das ist eine super schwierige Frage, weil es da unendlich viele gibt, die toll sind, und die es sozusagen ›verdienen‹, als Lieblingskünstler genannt zu werden. Ich denke, man kann in jeder Stilrichtung einen Lieblingskünstler finden, ob nun in der Architektur, in der Bildhauerei, in der Malerei, im Film oder in der Fotokunst. Ich persönlich würde da auf alle Fälle Monet, Raffael, da Vinci, Michelangelo, Frank Lloyd Wright oder Schinkel nennen. Also, es gibt einige, die ich favorisieren würde.

V.Z.: Bist du denn auch selbst künstlerisch tätig?

T. S.: Ja, ich kann sehr gut zeichnen, malen kann ich leider nicht so sehr. Ich denke, wenn man Kunst mag und das studiert, dann bringt das automatisch mit sich, dass man auch auch einen persönlichen Hang zur Kunst hat.

V.Z.: Wenn du den Begriff Kunst zusammenfassen müsstest, was wäre dann Kunst für dich?

T. S.: Das kommt darauf an, ob ich jetzt eine subjektive oder objektive Antwort geben möchte. Objektiv würde ich sagen: Kunst kommt vom Wort Können, also würde ich sagen, dass hinter Kunst auch immer ein gewisses Können stecken muss. Kunst muss mich ansprechen, sie muss irgendwie provokant sein, sie muss etwas darstellen, ich muss mir etwas dabei denken, sie muss vielleicht sogar inspirieren und sogar schön sein – das dann natürlich nach meinem subjektiven Empfinden. Obwohl: Schön muss sie gar nicht unbedingt sein – der Schrei von Edvard Munch ist ja z.B. nicht unbedingt schön…

V.Z.: Und was möchtest du später mal beruflich mit deinem Kunststudium machen?

T. S.: Darauf kann ich leider keine Antwort geben, weil ich da echt noch nicht sicher bin. Ich habe jetzt schon ein Praktikum im Museum gemacht und das war sehr interessant, aber eine genauere Auskunft über meinen Berufswunsch kann ich heute noch nicht geben, Ich habe ja auch noch ein paar Semester Zeit, um mich zu entscheiden!


Mehr aus der Reihe »Was ist eigentlich Kunst?« von Verena Zimmermann: Die Glosse Kunstbetriebeschaden und die Interviews mit dem Göttinger Künstler Georg Hoppenstedt und zwei Nachwuchskünstlern aus dem Kinderkunstklub.



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 Veröffentlicht am 5. September 2011
 Kategorie: Misc.
 Foto von Verena Zimmermann.
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