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Neue Hülle, neue Fülle

Das Literarische Zentrum Göttingen stellt sein neues Programm vor. Die Litlog-Redaktion war vor Ort und findet: ein Programm mit schicker Hülle und beachtlicher Fülle!

Von Gesa Husemann

In etlichen Farben ist das Zentrumsprogramm schon daher gekommen seit seiner Geburt im Jahr 2000, dem Jahr, in dem das Literarische Zentrum in Göttingen seine Tore öffnete. Seit jeher war der Programm-Inhalt farblich fein verpackt, ob in einem british racing green, in Kaminrot oder auch mal in Babyrosa, die Palette an neuen Farbkreationen schien unerschöpflich. Nun zeigt sich das Programm nicht nur wie gewohnt in anderer Farbe, sondern es gönnt sich ein gänzlich neues Design. Allein das Zentrumslogo darauf ist noch dasselbe – jedenfalls fast. Das umrundete »Z«, ist nun in ein Viereck gesetzt und etwas in die Schieflage verrückt. Als möchte es sagen: Hier weht jetzt ein neuer Wind.

Von diesem frischen Wind zeugt auch die Pressekonferenz zur Programmvorstellung an diesem Freitag. Das verwinkelte Zentrumsdachgeschoß ist gut gefüllt, die Göttinger Presse hat sich, versorgt mit bestem Zentrums-Kaffee, eingefunden. Schon der Auftakt zeigt dabei eine neue Ausrichtung. Das prosperierende Bildungsprojekt »Literatur macht Schule« (LMS), geleitet von Marit Borcherding, wird seit diesem Jahr mit einem eigenen Programmheft beworben: Bei Veranstaltungen mit Gästen wie Janne Teller, einer dänischen Autorin, die mit ihrem hochumstrittenen Roman Nichts für Feuilleton-Furore sorgte, oder einem Abend zu Facebook, eine sofort überzeugenden Entscheidung, sind die LMS-Veranstaltungen doch sicher nicht nur für Schüler interessant.

Auch das Hauptprogramm, das Anja Johanssen gemeinsam mit ihrem Team vorstellte, birgt Neues – und Vieles, ausgesprochen Vieles. Nicht weniger als 17 Veranstaltungen werden zwischen März bis Juli stattfinden. Sie warten mit großer Vielfalt auf: Geboten wird weit mehr als die klassische Autoren-Lesung, die freilich mit Autoren wie Arno Geiger oder Angela Krauß auch im Programm vertreten ist; hinzu kommen Abende, die sich – gewiss springlebendig – den teuren Toten widmen werden, Tolstoi etwa, oder auch Ernst Jünger. Darüber hinaus aber stellt sich gerade dieses Programm dem altbewährten Zentrumsmotto, ein »begehbares Feuilleton« zu sein, mit Bravour. Mit zahlreichen Veranstaltungen steigt das Zentrum in aktuelle Debatten ein. Da wäre zum Beispiel die Diskussion um den Vegetarismus, die in den Feuilletons von Jonathan Safran Foers Tiere essen (2010) angeheizt und nun durch Karen Duves Neuling Anständig essen (2011) wieder angefacht wurde: Duve berichtet den Göttingern im April live von ihrem Selbstversuch, sich biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und schließlich frutarisch zu ernähren. Um das gute alte und doch stets umstrittene Europa werden Péter Nádas und Richard Swartz sich in einem Zwiegespräch kümmern. Und wenn die neue Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel mit der Regisseurin Nina de la Chevallerie und dem BG Göttingen-Coach John Patrick »In Sachen: Adrenalin« debattieren wird: Dann ist Hochspannung ohnehin Programm.

Andere Veranstaltungen betrachten den Literaturbetrieb in gut selbstreflektierender Manier einmal von Außen, so die Podiumsdiskussionen der Reihe »Literaturverteiler. Orte, Medien, Akteure im literarischen Leben«, eine Reihe in Kooperation mit Litlog, die sich in zwei Veranstaltungen mit Gästen wie Thierry Chervel (Perlentaucher) oder Klaus Modick (Autor) zum einen um das Netz, zum anderen um die Lesebühne als Literaturverteiler dreht.

Die mittlerweile ja gar nicht mehr ganz so neue Zentrumsleiterin Anja Johannsen schlägt nicht nur mit dem Design neue Wege ein, durchaus im Sinne des Irritationsmanagments. Die Veranstaltungen zeigen, dass sie ihre Augen und Ohren vor allem auch auf Debatten im und um den Literaturbetrieb gerichtet hat. Dabei kommt, bei Gästen wie der wie der libanesichen Autorin Alawiyya Sobh oder der Feminismus-Debatte mit Bascha Mika, auch Politisches nicht zu kurz.

Politisch wie literarisch aktuell, international und mit facettenreichen Kooperationen: Das Zentrum 2011 bietet alles in allem ein vielseitiges, ausgewogenes Programm. Ein Rundumschlag der Neuheiten ist es dennoch nicht, seiner Tradition zeigt sich das Zentrum weiterhin verpflichtet. So deutet auch das neue Programmheft in einem nicht zu verachtenden Detail dann doch Kontinuität an. Es ist orange. Und orange hat – als Farbe des Logos – bisher jedes Zentrumsprogramm geprägt.



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 Veröffentlicht am 4. Februar 2011
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