Impressum Disclaimer Über Litlog Links
Serienkritik
Psychosexueller Horror

Eine Reise zu den Anfängen der Horrorliteratur. Frei nach dem Motto aus Alt mach Neu schließt die US-amerikanische Horrorserie Penny Dreadful an Klassiker wie Bram Stokers Dracula, Mary Shelleys Frankenstein und Oscar Wildes Dorian Gray an, deren Ursprünge sich mit dem Schicksal der jungen Vanessa Ives vermischen und einen Horrortrip der Superlative versprechen.

Von Sabrina Gerdes

Liebhabern wie auch Neulingen auf dem Gebiet des Horror-Genres sollten Namen wie Dr. Frankenstein, Dorian Gray, Dracula oder Van Helsing ein Begriff sein. In dem als »psychosexuelle Horrorserie« bezeichneten Machwerk des Oscar-Nominierten John Logan vermischen sich die Schicksale dieser altbekannten Figuren mit denen der geheimnisvollen Vanessa Ives (Eva Green) und des Entdeckers Sir Malcom Murray (Timothy Dalton). Dazu verdammt, die Fehler ihrer Vergangenheit zu korrigieren, begeben sich die beiden mit Hilfe der berüchtigten Horrorfiguren auf die Suche nach Dingen, denen auf den Grund zu gehen, schnell gefährlich werden kann.

Serien-Info


John Logan, Sam Mendes, Pippa Harris (Produzenten)
Penny Dreadful
GB, USA (Neal Street Productions, Desert Wolf Productions), 2014
Dtsch. Erstausstrahlung: 16. September 2014 auf Netflix

 
 
Bereits in der Vergangenheit wurde die junge Vanessa Ives von der eigenen dunklen Seite angezogen, nun öffnet sie ihren Geist immer mehr für die Machenschaften des Bösen, bis sich schließlich ein uralter Dämon ihrer Seele bemächtigt. Wahnsinn und Schmerz treiben sie an den Rand der Verzweiflung, als das Böse seinen Fokus plötzlich auf Mina Harker (Vanessas beste Freundin und Tochter des Entdeckers Sir Malcom Murray, bekannt aus Bram Stokers Dracula) richtet und diese in seine düstere Parallelwelt verschleppt. Von den zahlreichen Begegnungen mit den Mächten der Dunkelheit gezeichnet, bleibt die streng katholisch erzogene Vanessa als Medium, von Epiphanien und Visionen gequält, zurück. Immer wieder ist sie versucht, sich der dunklen Seite in ihr hinzugeben.

Meet the Monsters

In ihrem gemeinsamen Bestreben, Mina aus den Fängen des Dämons zu befreien, formen Sir Malcom Murray und Vanessa Ives eine Allianz, die sich des Nachts auf die Suche nach Monstern aller Art begibt, in der Hoffnung einen Hinweis auf den Verbleib der jungen Frau zu finden. Alleine nicht imstande die bösen Mächte zu bekämpfen, rekrutieren sie den kampferprobten Schausteller Ethan Chandler (Josh Hartnett), der den Kämpfergeist in die Gruppe bringen soll sowie den in gewissen Kreisen für seine »anatomischen« Fertigkeiten und Experimente bekannten Dr. Viktor Frankenstein (Harry Treadaway), dessen verbotenes Wissen ebenfalls die Unternehmungen der Truppe bereichert. Neben dem Hauptplot um die Suche nach Mina bringt zudem jeder Charakter noch seine ganz eigenen Geheimnisse in die Handlung mit ein, sodass sich im Verlauf der Serie neben Frankensteins Monstern und Figuren wie Dorian Gray und Van Helsing diverse Vampire und andere Kreaturen der Nacht ein verwickeltes Stelldichein liefern.

Schauspielerische Glanzleistungen garantiert

Bereits der Hauptcast, bestehend aus Eva Green, Timothy Dalton, Josh Hartnett und Harry Treadaway, sollte jeden potentiellen Zuschauer neugierig auf die Geschehnisse in Penny Dreadful machen. Besonders Eva Green wächst in der Rolle der Vanessa Ives so stark über sich hinaus, dass Entsetzen, Schock und Gänsehaut garantiert sind. In den Szenen der Agonie, des Wahns und Verführung sorgt ihre schauspielerische Leistung für Atemnot. Ohne großartige Special Effects schafft es Green, dem Zuschauer die Besessenheit ihrer Rolle und die damit einhergehenden physischen wie auch seelischen Schmerzen nahe zu bringen. Dank ihres authentischen Spiels kann die Serie getrost auf explizite dämonische oder gewalttätige Darstellungen verzichten, denn sie vermittelt den Horror auf ihre ganz eigene Weise – ohne übertriebene Theatralik, dabei blank und roh. Im gemeinsamen Spiel mit Timothy Dalton in der zugleich gehassten und geliebten Vaterfigur des Sir Malcom Murray entsteht eine fast unerträgliche Spannung, die sich durch die gesamte erste Staffel der Serie, bestehend aus acht Folgen, zieht. Dalton selbst, unter anderem bekannt als James Bond in Der Hauch des Todes und Lizenz zum Töten, stellt eine große Bereicherung für den Cast dieses ambitionierten Horrorprojekts dar. Nur allzu gern kauft man dem britischen Schauspieler den obsessiven und manipulativen Entdecker auf der Suche nach seiner Tochter ab, der über weit mehr als nur Leichen gehen würde, um diese zu finden. Mit viel Tiefe und Feinsinn gelingt es Dalton dabei, dem Zuschauer, trotz all der charakterlichen Schwächen seiner Figur, Sir Malcolm Murray als einen der »Guten« näher zu bringen und dessen Motive und Handlungen für den Beobachter verständlich zu machen.

Das Setting des viktorianischen London, die Verwebung mit den bekanntesten Geschichten des Horror-Genres, grandiose visuelle Effekte sowie eine stimmungsvolle musikalische Untermalung verleihen der Serie ihre ganz persönliche düster melancholische Note, die unter die Haut geht.

Ein Spiel mit dem Genre

Während neuere Horrorproduktionen beispielsweise aus den Unterkategorien des Splatter- oder Slasherfilms auf ganz explizite Gewaltdarstellungen zurückgreifen, besinnt sich Penny Dreadful darauf, den Appetit des Zuschauers häppchenweise und durch Assoziationen anzuregen. Das Böse bekommt zwar viele Gesichter, doch bleibt dessen Herkunft weitestgehend verschleiert. Auch wenn die Bedrohung nicht immer zu sehen ist, ist sie doch durchgängig spürbar. Der Informationsfluss wird niedrig gehalten und lädt so zu ganz eigenen Fantastereien über die Hintergründe und Motive der Figuren ein. Frei nach den literarischen und filmischen Vorbildern kommt es auch hier auf das richtige Verhältnis von Gezeigtem und Nicht-Gezeigtem an. So trifft man zwar auf zahlreiche Figuren aus Bram Stokers Dracula, der Meister unter den Vampiren selbst gibt sich aber noch nicht die Ehre. Auch der von Vanessa besitzergreifende Dämon tritt zunächst nur in menschlicher Form auf und lädt durch fein dosierte Psychospielchen dazu ein, den Horror im eigenen Kopf weiterzuspinnen.

Im englischen Original lief die erste Staffel Penny Dreadful vom 11. Mai bis zum 29. Juni diesen Jahres auf dem amerikanischen Sender Showtime und kann sowohl auf DVD als auch als Online-Content erworben werden. Die deutsche Fassung wird vom hierzulande gerade gestarteten Streaming-Dienst Netflix gezeigt. Die zweite Staffel wurde zudem schon bestellt und um zehn Folgen erweitert.



Metaebene
 Autor*in:
 Veröffentlicht am 8. Januar 2015
 Kategorie: Misc.
 Bild von Jonathan Hession, mit freundlicher Genehmigung von Netflix Deutschland
 Teilen via Facebook und Twitter
 Artikel als druckbares PDF laden
 RSS oder Atom abonnieren
 Keine Kommentare
Ähnliche Artikel
Archiv
Keine Kommentare
Kommentar schreiben

Worum geht es?
Über Litlog
Mitmachen?