Liebeserklärung an die Niederlande

Zum 31. Göttinger Literaturherbst liest Monika Peetz am 29. Oktober  in Hann. Münden aus ihrem zuletzt erschienenen Roman Sommerschwestern. Die Bestseller-Autorin nimmt das Publikum dabei nicht nur auf eine Reise in die Geschichte der vier Schwestern mit, sondern bietet auch humorvolle Einblicke in die niederländische Landschaft, Kultur und Sprache.

Von Sofia Peslis

Bilder: Sofia Peslis

Das Publikum wartet gespannt im alten Rittersaal, Monika Peetz betritt zusammen mit Moderatorin Mara Becker die Bühne und schon nach wenigen Sätzen ist vergnügtes Lachen von den hauptsächlich mit Frauen besetzten Plätzen zu hören. Ein Punkt, den die Autorin der Bestsellerreihe Die Dienstagsfrauen sofort aufgreift: Auch in ihrem neuen Roman Sommerschwestern geht es um die Perspektive von Frauen, um das Leben als Mutter und Schwester in der Familie. Im Mittelpunkt ihres Romanes stehen vier ungleiche Schwestern, die unerwartet von ihrer Mutter zu einem Familientreffen an die niederländische Nordseeküste eingeladen werden. Eine fesselnde Geschichte, bei der Konflikte und Stress vorprogrammiert sind.

Die Schwestern – und die Mutter

Doch ohne Konflikte kein Roman. Scherzend stellt Peetz fest, dass man ohne Auseinandersetzungen ein Buch schon nach elf Seiten beenden könnte. Mit der ersten Textpassage aus der Sicht der Hauptprotagonistin Yella gewährt Peetz einen ersten Einblick in das Durcheinander der Familie Thalberg und greift die Frage auf: »Warum eigentlich Sommerschwestern?«. Schnell kommt die Antwort in der ausgewählten Textstelle: Denn nur im holländischen Bergen verbrachten Yella, Doro, Hellen und Amelie die schönsten Sommerurlaube. Nur in Bergen schienen die unterschiedlichen Schwestern wirklich glücklich zu sein, bevor der tödliche Unfall ihres Vaters in einem der Urlaube vor zwanzig Jahren ein Loch in das heile Leben der Familie riss.

Göttinger Literaturherbst 2022

Vom 22. Oktober bis 6. November findet der 31. Göttinger Literaturherbst statt. Litlog ist wieder mit dabei und veröffentlicht jeden Tag einen Bericht zu den diversen Veranstaltungen des Programms. Hier findet ihr unsere Berichterstattung im Überblick.

Ein unerwartetes Treffen löst also Stress bei allen Beteiligten aus. Besonders bei der 33-jährigen Yella, die schon immer das Gefühl hatte, sie müsse ihr Leben vor Mutter Henriette rechtfertigen und ihren Ansprüchen gerecht werden. Die ausgeprägte Konfliktsituation zwischen Mutter und Tochter bringt Monika Peetz durch einen Dialog bei der Lesung zum Ausdruck: Kapriziös tritt die Mutter bei einem gemeinsamen Abendessen auf und nicht nur Yella, sondern auch ihr Ehemann David und die gemeinsamen Kinder fallen dem belehrenden Verhalten Henriettes zum Opfer. Dennoch betont Peetz, dass sie besonders viel Spaß beim Schreiben der Mutter hatte und dass sie – dank ihrer Karriere als Dramaturgin, Redakteurin und Drehbuchautorin – auffällige Persönlichkeiten hauptsächlich durch Dialoge zum Ausdruck bringen kann.

Mit der letzten an diesem Abend vorgestellten Textszene lernen die Zuhörenden Yellas große Schwester Doro kennen. Ein Charakter, der womöglich am weitesten entfernt von Yella selbst einzuordnen ist. Als erfolgreiche Kostümbildnerin und älteste Tochter scheint Doro die Einzige zu sein, die in einem guten Verhältnis zu Mutter Henriette steht. Im letzten Dialog des Abends, bei dem alle vier Geschwister anwesend sind, wird damit besonders deutlich, wie unterschiedlich die Charaktere doch sind und wie sehr sie alle ihre eigenen Probleme mit dem Schwestersein haben.

Du oder Sie?

Doch nicht nur der Aspekt der weiblichen Perspektiven im Roman scheint Peetz am Herzen zu liegen. Die selbst in Holland lebende Autorin legt bei der Lesung ein auffälliges Augenmerk auf die Liebe, die sie mit dem Land verbindet. Wie auch im Roman schwärmt Peetz von den holländischen Landschaften und beschreibt dem Publikum bildhaft die windigen Dünen und schaufensterartigen Wohnzimmerfenster, die jedes Haus zieren.

Monika Peetz mit Sommerschwestern beim Göttinger Literaturherbst. Bild: Sofia Peslis

Neben der eindrucksvollen Szenerie geht Monika Peetz auch auf die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und den Niederlanden ein. Es sei eine komplett andere Mentalität bezüglich hierarchischer Stellungen in der Gesellschaft vorhanden. So nimmt zum Beispiel das Duzen eine komplett andere Stellung ein als in Deutschland. Das »Du« bezieht sich in den Niederlanden eher auf das Alter als die persönliche Nähe zur jeweiligen Person. Auch über eine kurze Unterrichtstunde in Niederländisch kann sich das Publikum freuen und lernt kurzerhand die Aussprache des »sch« und die sogenannten »falschen Freunde« (deutsche Wörter, die im Niederländischen existieren, aber etwas komplett anderes bedeuten) kennen.

Holland könnte versinken

Zum Schluss macht Monika Peetz auch auf den Klimawandel aufmerksam. Da die Mehrheit des Landes unter dem Meeresspiegel liegt, droht Holland durch die Klimaerwärmung Hochwasser und könnte so eines Tages verschwinden. Schon in Sommerschestern geht die Autorin auf das Klimaproblem ein. Bei der Lesung klärt Peetz auf, dass es eine Person im Roman gibt, die tatsächlich existiert: Patrick Nederkoorn. Der Komödiant setzt sich mit seinem Programm aktiv gegen den Klimawandel ein. Mit dem Verweis auf sein Comedy-Programm in der Romangeschichte möchte Peetz mehr Leute auf die drohende Flut aufmerksam machen und zum Handeln anregen.

Ein Teil von etwas Größerem

Auch auf Lesenachschub können sich die Fans von Sommerschwestern freuen, denn Peetz verkündet bei der Lesung, dass der zweite Teil mit dem Titel Sommerschwestern: Die Nacht der Lichter bereits im März 2023 erscheinen und damit erst der Anfang einer weiteren Romanreihe sein wird. Dies lässt somit auf tiefere Einblicke in die Geheimisse und Charaktere der anderen Schwestern hoffen. Auch in den Niederlanden wird Sommerschwestern übersetzt und ab Frühjahr 2023 erhältlich sein.

Es gelingt Monika Peetz, durch die Lesung wichtige Aspekte des Romans zu unterstreichen. Die Autorin schafft damit einen wirklich gelungen Literaturabend. Ihre persönliche Liebe zum Land und seiner Kultur, die gerade in der Lesung zum Ausdruck kommt, schafft es, die Bedeutung der Niederlande in Sommerschwestern zu verdeutlichen und auch auf anderen Ebenen wahrzunehmen. Der:die Lesende mag so die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede auch auf die Sommerschwestern beziehen und besser verstehen, wonach sie sich sehnen und worin sie sich gefangen fühlen.

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