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Ein Wesen unserer Welt

»Es ist ein Wesen dieser unserer Welt und ich heule mit ihm« – So endet Andreas Hoppes Gedicht über das Tier, dem er ein Buch gewidmet hat: Die Hoffnung und der Wolf, ein Plädoyer für eine friedliche Koexistenz mit dem Wolf, der wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist.

Von Laura Plock

Den meisten Menschen dürfte Hoppe als Tatortkommissar Mario Kopper bekannt sein. Von 1996 bis 2018 ermittelte er an der Seite von Ulrike Folkerts in der beliebten ARD-Krimireihe. Allerdings ist Andreas Hoppe nicht nur Schauspieler, sondern auch Aktivist: Seit Jahren setzt er sich bereits für den Tier- und Umweltschutz ein, zum Beispiel als WWF-Kampagnenbotschafter für #iamnature. 2009 veröffentlichte er zudem das Buch Allein unter Gurken – mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren. Mit Die Hoffnung und der Wolf greift er nun das zweite Mal zur Feder, um die Öffentlichkeit zum Innehalten und Nachdenken zu bewegen.

Der (nicht ganz so) böse Wolf

Er ist längst nicht der erste, der um Verständnis und Respekt für Wölfe bittet. Ganz abgesehen von zahlreichen Natur- und Tierschutzorganisationen, wie etwa dem Wolfsschutz Deutschland, haben sich auch immer wieder Autor*innen mit dem Thema auseinandergesetzt – so zum Beispiel Gary Kilworth, der mit seinem Roman Fürst der Wölfe bereits 1996 genau dasselbe predigte. Das Thema ist nicht neu, jedoch noch immer aktuell.

Der Wolf galt schon immer als gefährliches oder sogar böswilliges Raubtier. Befeuert wurde diese Auffassung von Schauergeschichten über Werwölfe und Märchen wie Rotkäppchen, in denen der Wolf zum von Gier getriebenen Menschenfresser mutiert. Dies führte letztendlich dazu, dass der Wolf nahezu vollständig aus Westeuropa vertrieben wurde. Seit einigen Jahren kehrt er jedoch langsam wieder zurück. Um eine erneute Vertreibung zu verhindern, ist vor allem Aufklärung notwendig. Diese will Hoppe mit seinem Buch nun liefern und behauptet, dass Wölfe durchaus liebenswerte Tiere seien.

Der einfache Weg …

Die Auffassung, dass Wölfe friedfertige Tiere seien, wird von der breiten Öffentlichkeit allerdings nur bedingt geteilt, insbesondere da die Rückkehr des Wolfes auch Schwierigkeiten mit sogenannten »Problemwölfen« zur Folge hat, die Nutztiere reißen. Erst Ende letzten Jahres hat der Bundestag deshalb den Schutz der Art dahingehend gelockert, dass ein Abschuss erleichtert werden soll. Tatsächlich griffen Wölfe relativ häufig Schafe und andere Nutztiere auf der Weide an; das allein mache sie laut Hoppe jedoch noch nicht zu Problemwölfen. Stattdessen stellt er fest, dass Wölfe am

Buch-Info


Andreas Hoppe
Die Hoffnung und der Wolf
GeraNova Bruckmann: München 2019
192 Seiten, 24,99€

 
 
liebsten den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Für sie sei es einfach wesentlich leichter, ein schwerfälliges und durch Zäune in seinem Fluchtweg eingeschränktes Schaf zu reißen als ein schnelles Reh im Wald.

Natürlich ist es für die betroffenen Landwirt*innen ärgerlich, wenn ein Teil ihres Viehbestandes ungeplant auf dem Speiseplan eines Wolfes landet. Die Antwort darauf darf laut Hoppe jedoch nicht die Tötung des betreffenden Wolfes sein. Es gibt andere Wege. Das Buch präsentiert verschiedene sinnvolle Lösungsansätze. So wird vorgeschlagen, sich Länder wie Rumänien, in denen der Wolf stets präsent war und ist, zum Vorbild zu nehmen: Herdenschutzzäune und Hunde, die die Schafe im Zweifelsfall verteidigen, gehören dort zum Standard. Und es funktioniert: Sobald das Reißen von Nutztieren mit mehr Aufwand verbunden ist als die Jagd auf Wild, verlegt der Wolf sich wieder auf Letzteres.

Stattdessen wird der Abschuss erleichtert. Warum? Nun, auch Menschen gehen bekanntlich gern den einfachsten (und preiswertesten) Weg. Dass sich dieser meistens als Holzweg entpuppt, wird gerne aufgrund von Bequemlichkeit ignoriert. Hoppe ist enttäuscht darüber, dass die Bundesregierung den Wolf unter Artenschutz gestellt hat, ohne die weitreichenden Folgen dieser Entscheidung zu bedenken. Nun, da die Wolfsbestände sich erholen, reagiere die Bundesregierung mit einer Lockerung des Artenschutzes, anstatt sich um sinnvolle Lösungen zu bemühen, beklagt Hoppe.

Biographie oder Sachbuch?

Mit seinem Buch versucht Hoppe nun, dem Trend zur Wolfspanik entgegenzusteuern, den Tieren eine Stimme zu geben und die Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Das Ergebnis ist ein teils autobiographisches Buch, in dem er sowohl persönliche Erfahrungen im Umgang mit Wölfen, wie zum Beispiel sein erstes Aufeinandertreffen mit ihnen im Wildpark Schorfheide, als auch allgemein das Verhältnis des Menschen zu diesen Tieren schildert. Er erzählt von seinen Reisen und seinem Engagement für verschiedene Tierschutzprojekte.

Zudem setzt er sich auch kritisch mit Legenden über den Wolf und dem Artenschutzgesetz auseinander, lässt Experten wie den Wolfsforscher Christoph Promberger zu Wort kommen und stellt am Ende noch ein kleines FAQ zur Verfügung, das die wichtigsten Informationen zum Verhalten der Wölfe und dem richtigen Umgang mit ihnen zusammenfasst. Dabei verzichtet Hoppe auf Belehrungen und schreibt stattdessen in dem leichten, fließenden Tonfall eines Tagebuchs, in dem er, auch in Form seines eingangs erwähnten Gedichts, eigene Beobachtungen reflektiert und innerste Gedanken teilt. Nachdrücklich räumt er mit den Mythen auf, die sich schon seit Jahrhunderten um Wölfe ranken. So gelingt Hoppe ein emotionales und informatives Journal zum Thema »Wolf«, das Biographie und Sachbuch vereint.

Zudem überzeugt das Buch ästhetisch gesehen durch zahlreiche Farbfotografien, die die Schönheit und Anmut der Tiere hervorheben und die Stimmungen der jeweiligen Kapitel unterstreichen. Hoppe kreiert ein rundum gelungenes Werk, das durch seine sehr persönliche und informative Herangehensweise die Sicht der Menschen auf den Wolf verändern könnte – vom eiskalten Kinderfresser zum einsamen Wanderer, der nach seinem Platz in unserer gemeinsamen Welt sucht.



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 Veröffentlicht am 18. Juni 2020
 Kategorie: Misc.
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