Ab in den Herbst

Das Herbst-Programm des Literarischen Zentrums ist da! Es gibt einen großen Festival-Kongress zum Thema Care-Arbeit, vielfältige Kinder-Veranstaltungen, leichte und schwere Literatur. Ein Überblick.

Von Hanna Sellheim

Bild: Hanna Sellheim

Sichtlich stolz heißen Anja Johannsen, Gesa Husemann und Amelie May zur Vorstellung des Herbst-Programms im Literarischen Zentrum willkommen: »Wir sind ja leidenschaftliche Gastgeberinnen«, sagt Johannsen. Und das fühle sich in den neuen Räumen nochmal anders an, diese Wirkung merke man auch den Autor:innen an.

Sie beginnen mit einem kurzen Rückblick auf die vergangenen Monate im neuen Literaturhaus: Eine anstrengende und tolle Zeit sei es gewesen, wenn auch manchmal »zum Durchdrehen«. Schließlich sind Bauarbeiten und ein pralles Programm an nachgeholten und aktuellen Veranstaltungen parallel gelaufen. Nun seien sie für das Herbstprogramm wieder bei der Normalmenge an Lesungen angelangt, den September und den halben Oktober deckt das Programm nun ab. Dann ist wieder Literaturherbst – und das Literaturhaus wird zum Festival-Café.

Live-Zeichnungen und Workshops im Kinder-Programm

Im Programm des Jungen Literarischen Zentrums werden die Familiensonntage mit zwei Kinderbuch-Klassikern weitergeführt: Am 25. September liest Alexander Steffensmeier aus den Kuh-Lieselotte-Büchern und zeichnet dabei live, am 30. Oktober gibt es eine ukrainisch-deutsche Lesung aus Der kleine Eisbär mit den Schauspieler:innen Tetiana Fedorovych und Jens Tramsen. Letzterer hatte auch schon bei der Grüffelo-Lesung am Eröffnungswochenende mitgewirkt.

Im Illustrationsworkshop »Sketch it!« können Kinder und Jugendliche am 2. Oktober lernen, Gedanken zu Papier zu bringen und Notizbücher zu illustrieren. Auch mit »LitLab«, dem Schreiblabor, geht es Anfang 2023 weiter, diesmal geleitet von Henrik Pohl. Dabei handele es sich um eine Doppelstruktur, wie May betont, von der beide Seiten profitierten, sowohl die Zielgruppe der schreibbegeisterten Jugendlichen als auch der Autor in Form eines Arbeitsstipendiums für seinen Debütroman. Eine weitere Workshop-Reihe mit Sprachkünstler Bas Böttcher findet in Kooperation mit dem Forum Wissen statt, dessen Exponate bedichtet werden sollen. Die Workshops sind kostenfrei und sollen besonders bildungsbenachteiligte Kinder erreichen.

Wie immer gibt es auch ein umfangreiches Programm an Schulveranstaltungen, von Patricia Thoma mit Unsere Zukunft träumen über eine Philosophie-Veranstaltung in der Reihe »Gedankenflieger« zum Thema Identität mit Jörg Bernardy und Stefanie Segatz bis hin zu den beiden internationalen Autor:innen Jenny Valentine und Neal Shusterman.

Kollektiv und allein

Das Erwachsenenprogramm startet mit einer Podiumsdiskussion zur Zukunft des Literaturstandorts Göttingen am 30. August. Eingeladen sind die Landtagskandidatinnen Carina Hermann (CDU), Marie Kollenrott (Grüne) und Karola Margraf (SPD), es moderiert GT-Chefredakteur Frerk Schenker. Es soll dabei nicht nur um das Literaturhaus, sondern auch um die Buchbranche im Allgemeinen gehen, Buchhändler:innen und Verlage werden ebenfalls vor Ort sein.

Am 8. September wird die Veranstaltung mit Daniel Schreiber nachgeholt, der eigentlich schon im Juni zusammen mit Katja Kullmann, Autorin von Die Singuläre Frau, ins Literarische Zentrum kommen sollte, um über seinen Essay Allein zu reden. Damals war er verhindert, Kullmann kam allein, wie es nun auch Schreiber tut.

Auf den Tag genau 250 Jahre nach seiner Gründung, geht es am 12. September um den Göttinger Hainbund. Daniela Danz, Norbert Hummelt, Erika Thomalla und Thedel von Wallmoden sprechen nicht nur über die Geschichte des Dichterbunds, sondern auch darüber, was es heute bedeutet, kollektiv zu schreiben.

In Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus und in Partnerschaft mit der documenta treffen vom 13. bis 15. September Dramatiker Albert Ostermaier und Fotokünstlerin Maya Mercer aufeinander. »Wir wissen noch nicht so genau, was dabei rauskommt,« sagt Johannsen, »aber wir sind uns sicher, dass es sehr gut wird.«

Irritierende und einfache Literatur

Am 16. September wird es dann »irritierend«: Senthuran Varatharajah stellt sein Buch Rot (Hunger) vor – eine literarische Bearbeitung des Kannibalismus-Falls von Rotenburg. Darin versucht Varatharajah, die Einvernehmlichkeit der Tat zu erkunden und das Opfer-Täter-Narrativ der Berichterstattung zu hinterfragen.

Als »Gegenprogramm« bezeichnet Johannsen Amor Towles’ Lesung von Lincoln Highway am 19. September, einer leichten Road Novel. Am 21. September kommt die belgische Autorin Lize Spit, um über Ich bin nicht da zu sprechen, einen Roman, in dem es um die Beziehung zu einem bipolaren Menschen geht, erzählt aus Sicht seiner Partnerin.

Who cares?

Das »Kernstück« des Herbstprogramms bildet schließlich der Festivalkongress »Who cares?« zum Thema Care-Arbeit am 24. und 25. September. Verschiedene Autor:innen von Romanen und Sachbüchern zum Thema kommen hier in mehreren Panels ins Gespräch. Im Wechsel dazu finden »Intensive Care Units« statt, bei denen das Publikum sich einbringen kann.

Am 27. September geht es um Österreich, das Gastland der nächsten Leipziger Buchmesse. Zu Gast sind Elke Laznia, Peter Rosmanith, Ferdinand Schmalz und Josef Winkler. Performance-Künstler:in, Schauspieler:in, Autor:in und Sänger:in Madame Nielsen liest am 7. Oktober aus ihrem neuen Roman Lamento.

Eine beliebte Tradition wird nach langer Pandemie-Pause wieder aufgenommen: die Reihe »Liederabend«. Gerhard Kaiser und Juliane Liebert sprechen am 12. Oktober über Patti Smith. Und schließlich erkundet am 14. Oktober Eberhard Seidel mit taz-Journalistin Doris Akrap die türkisch-deutsche Kulturgeschichte des Döners. Der Herbst kann kommen!

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