Mit Buchstaben aufgewachsen

Die schwedische Autorin Sara Lövestam war im Januar 2017 zu Gast am Skandinavischen Seminar der Universität Göttingen. Studierende der Skandinavistik und Komparatistik beschäftigten sich ein Semester lang mit ihren Büchern und der Presseresonanz auf dem deutschen und schwedischen Buchmarkt und organisierten zum Abschluss eine Lesung mit der Autorin und ihrer Übersetzerin. Im Gespräch mit den Studierenden erzählte Sara Lövestam, wie sie zum Schreiben kam, was ihr die Literatur bedeutet und welchen Stellenwert das Lesen für sie selbst hat.

Das Interview führte Yaska Hering
Ins Deutsche übersetzt von Anne Laura Karzel

Foto: © Christian Röther

Yaska Hering: Wann und warum hast du angefangen zu schreiben?

Sara Lövestam: Ich habe mit drei Jahren angefangen zu schreiben. Ich habe es immer geliebt zu lesen. Und dann habe ich angefangen, kleine Geschichten über die Personen aus den Kinderbüchern zu schreiben. Da wurde mir dann auch klar, dass ich später Autorin werden wollte.

Yaska Hering: Haben deine Eltern dich beim Lesen und Schreiben gefördert?

Sara Lövestam: Ich bin in einem Zuhause aufgewachsen, in dem es viele Bücher gab. Ich bin mit Buchstaben aufgewachsen und habe gesehen, wie meine Eltern lasen. Mein Vater hatte mir und meinen Schwestern abends immer Geschichten vorgelesen, oftmals auch selbst erfundene Geschichten oder Lieder. Ich heiße Sara und meine Schwestern heißen Elin und Ida. Also handelte eine Geschichte von Para, Pelin und Plida.

Yaska Hering: Wenn du Geschichten schreibst, schreibst du mit Stift und Papier oder am Computer?

Sara Lövestam: Ich schreibe am Computer. Ich schreibe fast nie per Hand, weil ich eine furchtbare Handschrift habe, es lange dauert und wehtut. Im Gegensatz zu vielen anderen Schriftstellern habe ich nicht diese romantische Vorstellung mit der Hand zu schreiben. Mein romantisches Verhältnis gilt den Wörtern.

Yaska Hering: Hast du einen konkreten Plan, wenn du anfängst ein Buch zu schreiben oder verändert sich etwas, während du schreibst?

Sara Lövestam: Das ist eine Mischung aus beidem. Ich habe immer eine Idee, wovon das Buch handeln soll, aber danach ist es unterschiedlich. Die Bücher über Kouplan sind beispielsweise sehr nach Plan verfasst. Da weiß ich, was in jedem einzelnen Kapitel vorkommen soll. Aber Herz aus Jazz war weniger strukturiert. Zu Beginn wusste ich nicht, dass Alvar Steffi eine Klarinette kaufen würde. Aber da es eine schöne Szene ist, in der gezeigt wird, wie wichtig die Freundschaft für beide ist, habe ich diese Szene während des Schreibens ergänzt.

Yaska Hering: Gibt es ein bestimmtes Genre, das du gerne ausprobieren würdest?

Sara Lövestam: Ich denke, ich habe mittlerweile in allen Genres geschrieben, die ich mag. Aber nachdem ich einen Typ Buch geschrieben habe, habe ich genug davon und möchte in einem anderen Genre schreiben. Gemeinsam ist allen meinen Büchern, dass sie etwas Persönliches von mir haben. Wenn man meine Bücher liest, sieht man, dass das Thema immer das gleiche ist. Es handelt von marginalisierten Menschen, dass man anders ist und außerhalb der Gesellschaft lebt. Es geht um unterschiedliche Perspektiven und es spielt keine Rolle, welches Genre das letztlich ist. Denn das bin nicht ich, die bestimmt, dass es unterschiedliche Genres sind. Ich versuche einfach nur immer eine Perspektive zu finden, aus der noch nicht tausendmal erzählt wurde.

Yaska Hering: Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Sara Lövestam: Das letzte Buch, das ich gelesen habe war Damals, das Meer von Meg Rosoff. Es ist ein Jugendbuch, das die Freundschaft zwischen zwei Jungen zum Thema hat. Der eine lebt im Internat und der andere einsam in einer Fischerhütte.

Yaska Hering: Wie wählst du deine Bücher aus? Gibt es bestimmte Genres, die du am liebsten liest?

Sara Lövestam: Ich höre auf die Empfehlungen von anderen. Und teilweise werde ich über Interviews auf Autoren aufmerksam und bin dann neugierig. Und ich lese Bücher, die ähnliche Themen haben, wie ein Buch, das ich selbst plane zu schreiben. Aber dabei bevorzuge ich kein Genre direkt. Ich lese Krimis, historische Romane, Beziehungsromane und viele Fachbücher. Was ich nicht sehr oft lese sind Biographien.

Yaska Hering: Hast du ein Lieblingsbuch?

Sara Lövestam: Nein, aber ich könnte viele gute Bücher empfehlen: Ich würde Widerrechtliche Inbesitznahme (Egenmäktigt förfarande) von Lena Andersson empfehlen, die vor ein paar Jahren den August-Preis gewonnen hat, den renommiertesten schwedischen Literaturpreis. Ich würde auch Ich heiße nicht Miriam (Jag heter inte Miriam) von Majgull Axelsson empfehlen. Aber auch ausländische Bücher von Michelle Magorian und Roald Dahl. Dahl hat ein Buch geschrieben, das Matilda heißt. Es hat mich extrem inspiriert, da es um ein kleines Mädchen geht, das ziemlich klug ist und herausfindet, dass es besondere Fähigkeiten besitzt. Ich konnte mich mit ihr identifizieren, weil ich als Kind sehr anders war.

Yaska Hering: Dann liest du nicht nur schwedische Schriftsteller, sondern auch andere?

Sara Lövestam: Absolut! Aber ich kann Englisch nicht genauso gut wie ein Übersetzer, daher lese ich mehr auf Schwedisch. Auch weil ich einfach faul bin und schwedische Bücher schneller lesen kann als englischsprachige. Aber manchmal muss man die Originalsprache lesen, weil es keine Übersetzung gibt oder weil sie schlecht ist.

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