Wissenschaft hautnah

Die fünfte Nacht des Wissens der Universität Göttingens und ihrer Partner bot den 25.000 Besucher:innen für einen Abend einen Einblick in Forschung und Wissenschaft. Von der Typisierungsaktion des Klinikums über Primatenforschung mit dem DPZ bis hin zum Science Slam war für jede:n etwas dabei.

Von Pearl Väth

Bilder: Universität Göttingen/Peter Heller

Beim Betreten des Zentralen Hörsaal Gebäudes (ZHG) erwartete eine:n am 9. Juli auch spät in der Nacht noch ein hoher Geräuschpegel. Besucher:innen wagten sich von Stand zu Stand, um für einen Abend in die Welt der Wissenschaften hineinzutauchen. Das Ziel dieser Nacht: Wissenschaft hautnah erleben. Denn nach langer Corona-Pause lud auch dieses Jahr die Nacht des Wissens ein, sich einen Einblick in die verschiedenen Bereiche der Universität und ihrer Partner zu verschaffen. Mit über 420 Ständen verteilt vom Nordcampus über den Zentralcampus, die Privaten Fachhochschule (PFH), Sartorius und die Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) bis hin zur Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) im Süden war für jede:n der 25.000 Besucher:innen etwas dabei. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit angebotenen Bus-Shuttle hatten die Besucher:innen die Möglichkeit, von 17 Uhr bis Mitternacht die Universität und ihre Forschung kennenzulernen.

Göttingen: Die Stadt, die Wissen schafft

Petra Broistedt, Metin Tolan und Stefan Treue bei der Eröffnung der Nacht des Wissens. Bild: Universität Göttingen/Peter Heller

Universitätspräsident Metin Tolan eröffnete die fünfte Nacht des Wissens neben Professor Stefan Treue, dem Leiter des Deutschen Primatenzentrums. Mit dabei war auch Oberbürgermeisterin Petra Broistedt, die verkündete: »Das Motto der Stadt, die Wissen schafft, wird in Göttingen gelebt, wir sind nicht nur eine Stadt mit Universität, sondern eine Stadt, die Wissen generiert und teilt.« Professor Tolan blickte auf die Geschichte Göttingens und seiner Erfolge zurück. »Die Nacht des Wissens ist eine einzigartige Möglichkeit für junge Leute, in ihr Interessensgebiet zu schnuppern. Wer weiß, vielleicht inspirieren wir so den nächsten Nobelpreisträger«, sagte der Universitätspräsident. Danach begrüßte auch Professor Treue die Besucher:innen und sprach von einer »Möglichkeit für die Gesellschaft, sich einen Eindruck zu machen, wo die Steuergelder hinfließen«.

Anschließend wurden die Besucher:innen von der Band »Hot Docs« mit Oldies in Stimmung gebracht. Über den ganzen Abend verteilt versammelten sich Schaulustige vor der Hauptbühne auf dem Platz der Göttinger Sieben und hatten die Möglichkeit, sich unter anderem von der Ballettschule art la danse und Astrophysiker Professor Jens Niemeyer Gravitation durch Tanz erklären zu lassen. Außerdem war auch die Vereinigung der indonesischen Studierenden in Göttingen zu sehen, die mit imposanten Gewändern, traditionellen Tänzen und Musik beeindruckte.

Zentrales Hörsaalgebäude: Das Zentrum der Nacht des Wissens

Im Foyer des Zentralen Hörsaalgebäudes (ZHG) tummelte sich so manch eine:r direkt nach Beginn der Veranstaltung. Hier konnte man nicht nur hinter die Kulissen des Campus Covid Screening schnuppern, mit dem Betz Lab Mikroskope aus Lego bauen, sondern auch im Science Dome die Sterne zu erforschen. Ein Crashkurs in Gebärdensprache oder ein Schreibtyp-Test, all das und viel mehr bot das ZHG mit seinen Ständen.

Die Stände des Deutschen Primatenzentrums im ZHG. Bild: Universität Göttingen/Peter Heller

Auf der ersten Etage des ZHG dominierte das Deutsche Primatenzentrum, das hier seine Forschung anhand von Mitmachaktionen und Einblicken in die Feldforschung in Senegal vorstellte. »Die Nacht des Wissens bietet eine klasse Möglichkeit, junge Leute in die Wissenschaft einzuführen«, sagt Jakob, Masterstudent und Teil des DPZ Team. Sein Kollege Michele schwärmt von der »freundlichen, willkommen heißenden und stimulierenden Atmosphäre« der Nacht des Wissens. Trotz der vielen Aktionen zur Forschung fehlte jedoch ein vieldiskutiertes Thema: Tierversuche. Für Informationen rund um Tierversuche, ihre Notwendigkeit und die Problematik wurde an diesem Abend keine Plattform geboten. Das DPZ, das mit der »Initiative für Transparente Tierversuche« wirbt, ließ diese Transparenz an diesem Abend missen.

Eine Auszeit vom Getümmel im ZHG ließ sich beim Healthy Campus mit einer geführten Meditation zum Stressabbau oder beim Klettern im RoXx nehmen. Vor dem ZHG rief Blut fürs Klinikum zur Typisierungsaktion auf und erfreute sich eines ständigen Andranges. »Man tut nicht nur etwas Gutes, sondern man hat auch die Möglichkeit, seine Blutgruppe herauszufinden«, erzählt eine Besucherin.

Science Slam und Humor in der Wissenschaft

Ab 19 Uhr fand im Hörsaal 11 der Science Slam statt. In sechs Vorträgen wurde hier Wissen mit viel Humor vermittelt. Mit einer Reihe von Themen von der Klimakatastrophe über Schweiß bis hin zu Alzheimer-Forschung begeisterten Lea Richtmann, Janina Otto, Timo Betz, Christian Benninghaus, Sabrina Patsch und Constanze Depp das Publikum an diesem Abend. Wer dabei gewann, wurde über Publikumsentscheid bestimmt. Nicht nur mit der klassischen Skalenbewertung von eins bis zehn, sondern auch mit Applaus und »Weiter!«-Rufen konnte das Publikum seine Begeisterung zeigen. Am Ende gewann Constanze Depp mit ihrem Vortrag »Wie entsteht Alzheimer im Gehirn?« und durfte den begehrten Eulenpokal mit nach Hause nehmen.

Den ganzen Abend über tummelten sich die Besucher:innen in Göttingen, auch im Universitätsklinikum mit einem begehbarem Herz-Modell und dem Max-Plank-Institut für Sonnensystemforschung. Trotz großem Andrang und Begeisterung der Besucher:innen fehlte es der Nacht des Wissens hier und da an organisatorischem Feinschliff. Besonders eine bessere Beschilderung der Shuttle-Busse als auch der Wege zu den Aktionen wäre für zukünftige Nächte notwendig. Denn bei so vielen Ständen, verteilt über ganz Göttingen, ging so manch einer unter. Universitätspräsident Tolan beendete die Nacht des Wissens mit seinem Vortrag über die »Physik des Fußballs« und bedankte sich für eine gelungene Nacht. Eine Nacht der Wissenschaft, die bestimmt so manch eine:n inspiriert hat. Und wer weiß, vielleicht war unter den Interessierten auch der:die nächste Nobelpreisträger:in.

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